
Vermeer
=======


 
Das Spiel
---------
Schreckliche Zeiten! Gerade befindet sich Europa im Ersten Weltkrieg. Die 
Weltwirtschaft ist aus den Fugen geraten. berall in Europa herrschen hohe 
Inflation, Hunger und Arbeitslosigkeit. Doch gerade in dieser Zeit gelingt es 
einigen geschickten Leuten, sich eine goldene Nase zu verdienen. Armut und 
Reichtum liegen nahe beieinander. Die Chancen sind so gut wie noch nie. Legen 
Sie Ihre Skrupel beiseite und spielen Sie mit bei Vermeer von Ariolasoft.

Das deutsche Softwarehaus hat wieder einmal ein Spiel herausgebracht, das noch 
fr so manche lange Nacht sorgen wird! Vermeer verlangt nmlich alle Ihre 
Kenntnisse, was geschicktes Wirtschaften anbelangt. Werden Sie Millionr oder 
mehr! Aber das allein wre ja noch nicht schwierig genug. Es wartet ja noch eine 
Aufgabe auf Sie...

 

Damals, in der guten alten Zeit
---------------------------------
Ihrem Onkel Walther von Grnschild wurde in der Silvesternacht 1917/18 seine 
unglaublich wertvolle Kunstsammlung gestohlen. Da Sie als sein zuknftiger Erbe 
in Frage kommen, bestellt Sie Walther in seine Residenz und teilt Ihnen 
bedeutungsvolle Dinge mit. Walther hat sich um seinen Nachfolger Gedanken 
gemacht. Wer bekommt seinen weltweiten Plantagenbesitz? Wer bringt Ihm seine 
Kunstsammlung wieder zurck?

Nehmen Sie an? Seien Sie kein Feigling, ich war es auch nicht. Auch ich habe mir 
schon nchtelang Vermeer reingezogen. Alles klar, Sie nehmen an? Dann will ich 
Ihnen erzhlen, wie es mir auf der Jagd nach Geld und Bildern erging:

Egoistisch wie ich nun einmal bin, habe ich auf weitere Mitspieler verzichtet. 
Ich werde im Spiel noch genug Schwierigkeiten haben, da brauche ich nicht auch 
noch Konkurrenten. Meine ersten drei Versuche verliefen im Sand. Kaum hatte ich 
mich versehen, war ich auch schon pleite. Davon soll hier aber nicht mehr die 
Rede sein. Ich habe es inzwischen zu etwas gebracht und will hier beschreiben, 
wie das mglich war.

Mein Onkel Walther von Grnschild ist nicht dumm. Er hat sich schon Gedanken 
ber den Verbleib seiner Sammlung gemacht. Walther hat Vico Vermeer im Verdacht. 
Vico Vermeer ist einer der gerissensten Kunstflscher seiner Zeit. Aber 
niemandem ist es bisher gelungen, Vico aufzuspren oder ihm gar das Handwerk zu 
legen. Mehr als ein Tip ist es also nicht. Grozgigerweise hat mir Walther noch 
50.000 Mark mit auf den Weg gegeben. Ich mu mit dem Geld sparsam umgehen. Ein 
bichen von seinem Wissen ber den Handel hat mir mein Onkel auch mitgegeben, 
ich werde mal versuchen, es in die Tat umzusetzen. Im Moment befinde ich mich 
gerade in London. Es ist Dienstag, der 1. Januar 1918. Gerade bekomme ich den 
Aktienkurs vorgelegt. Der Dollar steht bei etwa 4 Mark, alle Aktien etwa um 100 
Mark. Die Inflation betrgt zur Zeit 7%. Ist doch gar nicht so schlimm.

Ich beschliee zunchst mir 1.000 Dollar zu kaufen. Da ich in Ankara meine erste 
Plantage anlegen will und die Lloyd-Linie dort hinfhrt, kaufe ich gleich 100 
Lloyd-Aktien. Die werden sicher noch steigen. Ich setze mich in den Zug und 
fahre nun

Richtung Ankara. Die Fahrt dauert ganze acht Tage! In Ankara angekommen 
beschliee ich, hier im trockenen Sden Tabak anzubauen. Also gehe ich zum 
Saatgutmarkt und kaufe dort die teure Tabaksaat. Erst dann gehe ich auf 
Landsuche. Wenn ich am Flu baue, wird die Ernte doppelt so gro. Und Arbeiter 
mu ich auch noch einstellen. Ach, das geht ins Geld. Hoffentlich gibt es bald 
die erste Ernte!

Ich habe beschlossen, uerst strategisch vorzugehen. Zunchst lege ich eine 
Plantage an, verkaufe die Ertrge und lege dann noch eine Plantage an. Dann sind 
die Ertrge doppelt so hoch, und ich kann mit den erwirtschafteten Geldern auf 
Bildersuche gehen. Einen anderen Weg als diesen gibt es wohl nicht. Aber ich 
lasse mich nicht entmutigen. Aller Anfang ist schwer und teuer. Meine Plantage 
braucht einige Zeit, bis die erste Ernte eingeholt werden kann. Doch bevor ich 
in einem anderen Land eine neue Plantage anlege, vergrere ich die alte. 
Sichtlich erfreut bin ich, als meine Plantage nach 90 Tagen mehr als 100 cwt 
Tabak abwirft. Da ich den Tabak in Ankara nicht verkaufen kann, transportiere 
ich ihn nach London und reise praktischerweise gleich hinterher.

Whrend der Reise hre ich von Unruhen in Mombasa. Pech fr die Jungs dort unten 
 da habe ich, Gott sei Dank, keine Plantage. In London angekommen besteht fr 
mich endlich die Mglichkeit, an mein langersehntes Geld zu kommen. Die Ausbeute 
ist bescheiden, es reicht noch nicht ganz fr die Teilnahme an einer Auktion. 
Aber Aktien kann ich mir kaufen! Eine sichere Geldanlage, wie sich spter 
herausstellen wird. Nun bin ich wieder pleite und mu warten, bis die neue Ernte 
wieder eingeholt werden kann. Mit dem kleinen berschu, den ich erwirtschaftet 
habe, fahre ich noch einmal in die Trkei, vergrere meine Plantage... und bin 
wieder pleite. Nach vierzehn Tagen schickt mir ein Freund das bentigte 
Reisegeld. Und das Spiel wiederholt sich: Ware nach London, verkaufen, neue Ware 
aus Ankara holen. Erstmals wird mir jetzt ein Warentermingeschft angeboten. Ich 
soll bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Ware nach London oder New York 
liefern. Wenn's gelingt, ist der Gewinn gro. Geht's aber schief, wird eine 
empfindliche Konventionalstrafe verhngt. Also lehne ich vorerst ab! Weil mein 
Kontostand es jetzt zult, werde ich mir eine zweite Plantage anlegen. Mein 
Ziel soll Rio sein. In Rio kann ich zwar Tabak, Kaffee oder Kakao anbauen, ich 
begnge mich aber mit dem Kaffee. Die Durststrecke ist auch hier lang, denn vor 
dem Ertrag kommt das lange Warten. Ich verkrze mir die Wartezeit mit den 
aktuellen Brsenberichten. Die Inflation betrgt satte 20%, und mein 
heigeliebter Dollar steht schon auf 9,50 Mark. Die Aktien ziehen auch gut an, 
mittlerweile pendeln sie um die 400 Mark. Der Gedanke liegt nahe, hier gute 
Gewinne erzielen zu knnen. Aber wenn ich mein ganzes Geld in Aktien und Dollars 
gesteckt htte, wre ich ebenso pleite.

Es kommt noch besser. Fortuna beglckt mich, und so gewinne ich bei einer Wette 
16.000 Mark. Knapp zwei Wochen spter erhalte ich eine Steuerrckzahlung in Hhe 
von 12.000 Mark. Meine Geschfte lassen es nicht zu, da ich mich zur Ruhe 
setze. Die Arbeit ruft, und ich komme. Wieder reise ich zwischen Ankara, Rio und 
London hin und her. Nicht ohne Erfolg, denn mein Kontostand wchst beachtIich. 
Alles ist in bester Ordnung, ich knnte so langsam ans Geldausgeben denken. Von 
den 40 Bildern, die meinem Onkel gestohlen wurden, habe ich nmlich noch kein 
einziges! Das ndert sich schnell, als ich auf der Neujahrstombola 1919 einen 
Macke gewinne. Sogar einen echten, wie die Expertise es besttigt! Tja, ein 
ganzes Jahr ist schon vergangen, die erste Durstrecke habe ich hinter mir. Jetzt 
geht das Spiel erst richtig los. In zwei Wochen werde ich an meiner ersten 
Auktion teilnehmen und dort die Bilder meines Onkels zurckkaufen...

Ich wurde eines Besseren belehrt. Zur Auktion stand ein original Vermeer, 
unglaublich wertvoll, ca. 15.000 Mark. Mein einziger Konkurrent, der mitbieten 
konnte, war der Halunke Vico Vermeer, der mit dem echten Maler Vermeer nichts zu 
tun hat, als seine Bilder zu flschen. Zu einem stolzen Preis von 164.000 Mark 
ging dann das Bild in meinen Besitz ber. Mich trifft der Schlag, als ich durch 
Gutachten feststelle, da ich eine Flschung gekauft habe. Vico war nur bei der 
Auktion, um den Preis hochzutreiben. Oh je, und das Geld ist futsch. Es hindert 
mich jedoch niemand daran, diese Flschung selbst wieder unter die Leute zu 
bringen. Doch vorerst werde ich das Bild behalten. Im Gegenteil, ich kaufe 
gleich noch ein paar Flschungen! Vico Vermeer wird noch sein Wunder erleben. Am 
13. April 1920 kommt es ganz dick! Ldt mich doch dieser Halunke zu einer 
Spazierfahrt ein. Na ja, mir soll's recht sein, ich mache gute Miene zu bsem 
Spiel.

Mittlerweile mu ich auch mal wieder einen Blick auf die Brse werfen. Die 
Inflation ist immer noch bei 25%, aber der Dollar steht bei vielversprechenden 
13 Mark. Auch die Aktien haben sich vielversprechend entwickelt: Die Lloyds- und 
die Starlinie, die ich hufig benutze, haben Aktien im Wert von etwa 1.400 Mark. 
Es wird Zeit zum Abstoen. Die Dollars bringen 13.000, die Aktien dagegen 
140.000 Mark. Das hebt die Stimmung. Die Betrge werden gleich wieder in Bildern 
angelegt. Dann fahre ich wieder zu den Plantagen und hole die Ernten ab. Aber 
daraus wird nichts. Die Arbeiter haben gestreikt. Ich stelle am besten gleich 
neue ein. In Rio geht's noch gemchlich zu. Die Arbeiter sind fleiig, und mit 
neuen Arbeitern kann die Plantage noch vergrert werden. Meine Kapitalkraft 
lt inzwischen sogar eine dritte Plantage zu. Wie sich spter herausstellt, ist 
das sehr sinnvoll, denn hin und wieder wird die eine Plantage von 
Schdlingsplagen heimgesucht oder gerade bestreikt. Wird die eine Plantage gar 
enteignet, bleiben so immer noch zwei brig. Die dritte Plantage lege ich 
gnstigerweise in Duala an, dann kann ich immer eine Rundreise (London-Ankara-
Duala-Rio-London) machen. Wenn die Plantagen erst einmal auf 100 ha Land 
aufgemotzt sind, fallen auch dementsprechend hohe Ertrge ab, und man kann immer 
wieder genug Bilder kaufen. Nach einer solchen Rundreise bleibt meistens genug 
Geld fr zwei Auktionen.

Dann kommt natrlich wieder eine Durststrecke: Man fhrt zu den Plantagen, holt 
die Ernten, verkauft sie, kauft vom Erls Bilder und fhrt dann wieder zu den 
Plantagen. Sicher, das ist nicht sehr interessant, aber gut Ding braucht Weile! 
Nach drei Jahren des Wirtschaftens, ebenso vielen Neujahrstombolas und 
zahlreichen Auktionen, habe ich dann 16 Bilder beisammen. Dazu noch vier 
Flschungen. Ich stehe kurz vor dem Herzinfarkt, als ich die Meldung von einer 
Geldentwertung im Verhltnis 5:1 vernehme. Mein ganzes Geld ist nur noch ein 
Fnftel wert! Statt 300.000 nur noch 60.000 Mark! Der Freudensprung lt nicht 
lange auf sich warten, als mir wieder einfllt, da ich ja noch die vier 
Flschungen besitze. Haha, die werde ich jetzt unter die Leute bringen! Und so 
bin ich dem groen Unheil noch einmal glimpflich entkommen. Ich kann gleich 
vorwegnehmen, da die Whrungsreform sich etwa alle drei Jahre wiederholt. Wer 
sich gut mit geflschten Bildern eingedeckt hat, ist in dem Falle aus dem 
Schneider. Eine Whrungsreform steht immer dann bevor, wenn die Inflation rasant 
steigt und der Dollar sich bei etwa 14 Mark befindet. Dann sollte man 
schnellstens alle Dollars und Aktien abstoen und sich Bilder in groer Zahl 
kaufen  egal, ob Flschung oder nicht. Die Flschungen sollte man dann gleich 
nach der Whrungsreform wieder verkaufen. Wenn man nicht vorbeugt, ist meistens 
das ganze Geld futsch. Und umgekehrt macht man's genauso. Gleich nach der 
Whrungsreform kauft man sich wieder Dollars und Aktien (da der Kurs sehr 
niedrig ist), um sie kurz vor der nchsten Reform wieder zu verkaufen und sich 
Bilder zuzulegen.

Eine Mglichkeit, wieder schnell an Geld zu kommen, ist, Warentermingeschfte 
anzunehmen. Wenn die Plantagen bestndig ihre Ernte liefern, kann man sich 
schnell eine goldene Nase verdienen  in guten wie in schlechten Zeiten. 
Inzwischen ist Endspurt! Man schreibt das Jahr 1927, ich bin satte neun Jahre 
auf der Jagd nach den Bildern! Ich habe mir ein Vermgen erwirtschaftet und auf 
zahlreichen Auktionen mein Geld gegen Bilder eingetauscht. Es sind bereits 36 
Stck. Die Grnschild-Sammlung wird langsam komplett. Die acht Neujahrstombolas 
haben ihren Teil dazu beigetragen. Auch meine Plantagen knnen sich sehen 
lassen. Jede ist ca. 100 ha gro und wirft so stndig einen groen Gewinn ab.

Der Gewinn wird selbstverstndlich sofort wieder in Bilder investiert! Kritisch 
wird es erst, als meine Tabakplantage in Ankara enteignet wird. Jetzt mu ich 
mit zwei Plantagen weitermachen. Ich hoffe, das reicht aus.

Die Auktionen werden auch immer interessanter. Meistens werden Bilder angeboten, 
die ich schon als Flschung besitze. Dann wei ich sofort, da ich jetzt das 
Original kaufe. Die Leute von der Auktion teilen mir freundlicherweise auch 
gleich mit, da mein Bild die Flschung ist und da ich jetzt das Original 
besitze. Vico Vermeer ist kein ernstzunehmender Konkurrent mehr fr mich. Ich 
kaufe ihm fast alle Bilder vor der Nase weg! Es zeigt sich, da ich doch einiges 
von Wirtschaft und Kunst verstehe!

Nun ist es soweit. Man schreibt den 28. Februar 1928. Ich stehe kurz vor dem 
Ziel. 39 Bilder darf ich mein Eigen nennen. Ich warte auf meine letzte Auktion. 
Dann ist es soweit. Ich kann meinem Onkel seine wertvolle Sammlung zurckgeben. 
10 Jahre hat mich die Suche gekostet. 10 Jahre meinen schrfsten Konkurrenten 
Vico Vermeer im Nacken. 10 Jahre Wirtschaftsboom und -krise, Inflation und 
Whrungsreform, Enteignung und Streik, Stre und Schwei. Und jetzt die letzte 
Auktion. Vico bietet noch gut mit, aber der Rembrandt geht doch an mich! Zwar 
fr eine Unmenge an Geld, aber hier gehts ums Prinzip. Was folgt nun, da die 
Sammlung komplett ist?

Spannung ...

Das Testament meines Onkels Walther von Grnschild wird verlesen. Walther 
erklrt mich zu seinem alleinigen Erben. Er teilt mir gleichzeitig mit, ich 
solle die Kunstwerke seiner Sammlung doch der Nachwelt erhalten. Den brigen 
Erben ist nur der Pflichtteil auszuzahlen. Gezeichnet: Walther von Grnschild 
alias Vico Vermeer!

Entspannt sinke ich in den Sessel zurck und denke wieder einmal ber den Sinn 
des Lebens nach ...

 


(Kopfnuss aus dem ASM-Special 1; Autor: Peter Braun) 
